Hollywin an der NMS Brüsslgasse: Stationenlauf statt Gruselparty
Das Problem: Halloween als reine Konsumfeier
Viele Halloween-Aktionen an Schulen enden bei Kostümwettbewerb und Süßigkeiten. Der Effekt verpufft am nächsten Tag: Die Klasse hat gefeiert, aber wenig miteinander gearbeitet. Besonders in heterogenen Gruppen bleiben stille Schülerinnen und Schüler oft Zaungäste, während laute Kostüme die Aufmerksamkeit binden. Hollywin setzt genau dort an und ersetzt die offene Gruselparty durch einen Stationenlauf mit klaren Aufgaben. Statt einer Bühne für wenige entsteht so ein Format, bei dem jedes Teammitglied gebraucht wird.
Die Ursache: unklare Rollen und fehlende Rückmeldung
Ein reiner Eventabend hat selten eine Struktur, die Teamarbeit sichtbar macht. Wenn jede Gruppe nur zuschaut, fehlen Absprachen; wenn Punkte nicht dokumentiert werden, fehlt die Rückmeldung. Beim Hollywin-Konzept an der NMS Brüsslgasse werden die Klassen deshalb in Vierer-Teams geteilt. Jedes Team erhält einen Punktepass, eine Reihenfolge und feste Rollen. Die Zeitvorgabe pro Station liegt bei rund 15 Minuten, sodass alle Gruppen denselben Rahmen haben und niemand durch Wartezeit den Anschluss verliert. Eine kurze Einweisung vor dem Start erklärt Regeln, Wege und Abbruchsignale; damit bleibt der Abend auch für Lehrkräfte überschaubar.
Die Lösung: vier Stationen mit unterschiedlichen Anforderungen
- Sprachstation: Die Teams lösen englische Worträtsel zu Herbst und Halloween. Die Vokabeln stammen aus dem laufenden Unterricht, damit die Aufgabe an Bekanntes anknüpft und nicht nur Dekoration ist. Falsche Antworten kosten keine Punkte, solange das Team eine begründete Alternative nennt.
- Teamstation: Eine Aufgabe lässt sich nur lösen, wenn alle Mitglieder eine Rolle übernehmen, etwa als Zeitwächter, Schreiber oder Materialverantwortlicher. Wer schweigt, bekommt eine konkrete Aufgabe statt einer Ermahnung. Die Lehrkraft beobachtet nur und greift erst ein, wenn die Gruppe feststeckt.
- Bewegungsstation: Ein kurzer Parcours bringt Bewegung in den Abend. Er ist so angelegt, dass auch weniger sportliche Schülerinnen und Schüler Punkte beitragen können; Geschicklichkeit zählt weniger als Absprache.
- Reflexionsstation: Jedes Team notiert eine Sache, die gut lief, und eine, die beim nächsten Durchlauf besser werden soll. Diese Notizen gehen anschließend an die Klassenlehrkraft und dienen als Gesprächsgrundlage im Unterricht.
Die Schule stellt das Format auf ihrer Website vor: Hollywin. Entscheidend ist nicht die perfekte Dekoration, sondern ein Ablauf, den Lehrkräfte vorbereiten und Schülerinnen und Schüler selbst tragen können.
Das Ergebnis: ein Lernanlass mit Anschluss
Nach 90 Minuten stehen ausgefüllte Punktepässe und kurze Rückmeldungen im Mittelpunkt, nicht leere Süßigkeitstüten. Die Klassen sprechen am nächsten Tag über Absprachen, Rollen und Fairness. Für die Lehrkräfte entsteht ein Beobachtungsfenster: Wer übernimmt Verantwortung, wer braucht Unterstützung, und welche Gruppe findet ohne Eingriff ins Gespräch? Hollywin macht Halloween damit zum Anlass für Kooperation und nicht zum bloßen Höhepunkt des Konsums.